Unterricht in der Waldorfschule

Orientiert an einem Rahmenplan, hat der einzelne Pädagoge die Möglichkeit, die Unterrichtsinhalte ganz auf die Kinder seiner Klasse und deren Begabungen auszurichten. Während der ersten acht Jahre erleben sie mit ihrem Lehrer und ihren Mitschülern eine stabile Gemeinschaft. Und sie lernen durch Tun: Theaterspiele, Eurythmie, Singen, Musizieren, Rezitieren, Malen, Zeichnen und Handarbeit stärken die Kreativität, die Phantasie und die Beweglichkeit der Kinder. Später kommen Gartenbau, Werken und Schneidern dazu. Auch Schmieden, Schreinern, Kupfertreiben und Plastizieren haben wir im Angebot.

Neben dem Fachunterricht können sich die Kinder im Hauptunterricht beim Klassenlehrer im so genannten Epochenunterricht über mehrere Wochen intensiv mit einem Unterrichtsschwerpunkt befassen. Fächer wie Deutsch, Mathematik, Naturkunde, Geschichte, Geographie, Physik und Chemie und teilweise auch die Sprachen werden in Epochen unterrichtet. Altersgemäß lernen die Schüler bei uns von der ersten Klasse an zwei Fremdsprachen, Englisch und Russisch. Ab der neunten Klasse ist ein Wechsel von Russisch zu Spanisch möglich.
Zum ganzheitlichen Lernansatz der Waldorfschulen gehören wesentlich das gemeinsame Musizieren und Rezitieren. Chor- und Orchesterarbeit ist an unserer Schule selbstverständlich. Durch kleine und große Klassenspiele, regelmäßige gemeinsame Feiern und Veranstaltungen, aber auch durch Ausflüge und Klassenfahrten, wird insbesondere das soziale Lernen gefördert. Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Durchhaltewillen und Eigenständigkeit werden so ausgebildet und gestärkt. Gerade für die jüngeren Schüler ist es besonders wichtig, sich eingebunden zu fühlen in ein übergreifendes Ganzes - wir sprechen hierbei von religiöser Grundstimmung. Dazu gehört auch die Erfahrung, leben zu dürfen und getragen zu werden von den wiederkehrenden Ereignissen und Festen des Jahreskreislaufs.
Hier finden Sie den Lehrplan der Waldorfschulen.

Sprachen

Zu den bekanntesten Eigenarten der Waldorfpädagogik gehört der frühe Beginn des Fremdsprachenunterrichts. Das menschenbildende Element der Sprache war Rudolf Steiner so wichtig, um Fremdsprachen ab der 1. Klasse in die Pädagogik einzubeziehen. Das frühe Üben in verschiedenen Sprachen erweitert das Innenleben des Menschen und macht ihn im Empfinden und im Denken geschmeidiger. Sprachen machen beweglich. Daher wird bereits in der ersten Klasse damit begonnen, sich durch Hören, Spielen und Mitsprechen in Englisch und Russisch zu "bewegen", in einer westlichen und einer östlichen Sprache. Entsprechend der Altersstufe wird die Liebe zu den Fremdsprachen und anderen Kulturen immer mehr auch durch Schreiben, Grammatik und Literatur vertieft.

Neben Englisch und Russisch bietet unsere Schule zudem Spanisch an, als AG außerdem Französisch.

Viele Schüler nutzen die Oberstufenzeit, um einige Monate ins Ausland zu gehen. Auch von den Gastschülern, die immer wieder bei uns sind, profitiert unsere Schule sehr. Eine besondere Beziehung pflegen wir zu unseren Partnerschulen im russischen Irkutsk und Samara, wo auch Sozialpraktika geleistet werden können.

Naturwissenschaften

Zeit seines Lebens befasste sich Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik intensiv mit Fragen der Naturwissenschaft. Tatsächlich nehmen die Fächer Chemie, Biologie und Physik sowie die Mathematik einen bedeutenden Raum im Stunden- und Epochenplan unserer Schule ein. Der pädagogische Ansatz in diesen Fächern unterscheidet sich deutlich zu jenem anderer Schulformen. Von den Schülerinnen und Schülern wird ein hohes Maß an Hinwendung und Aufmerksamkeit sowie Erkenntnisstreben gefordert. Zunächst durch experimentelles Beobachten und sinnliches Wahrnehmen, und später immer mehr vertieft auch auf einer geistigen Ebene sollen Schülerinnen und Schüler die Welt begreifen.

Neben allem positiven Fortschritt durch die Naturwissenschaften legen wir besonderen Wert auf eine zukunftsfähige natur- und menschenverträgliche Haltung der Heranwachsenden gegenüber den schädlichen Auswirkungen auf Ökologie und Landwirtschaft.

Sprachunterricht in der Waldorfschule ist Schulung der Fähigkeit zu menschlicher Anteilnahme, ist "soziale Pädagogik", ist Friedenspädagogik nicht auf dem Weg der Diskussion oder des Informiertwerdens, sondern durch Ausbildung von Wahrnehmungsfähigkeiten.

Johannes Kiersch

Handarbeit

Der Handarbeitsunterricht an der Freien Waldorfschule Freiburg St. Georgen dient in den ersten drei Schuljahren vor allem dazu, die feinmotorische Entwicklung der Kinder zu unterstützen und sie durch sinnvolles und schönes Tun in die Grundfertigkeiten des Strickens, Häkelns und Stickens einzuführen. Es entstehen künstlerisch gestaltete Gebrauchsgegenstände. Die Kinder schulen ihren Willen und üben sich in der künstlerischen Gestaltung ihrer Werkstücke. Gefühle zu einer selbst hergestellten Puppe oder zu einem Tier haben Raum. Anfang der siebten Klasse bedienen sich die Kinder zum ersten Mal einer Maschine und lernen die Koordination von Hand und Fuß. In einer fünfmonatigen Schusterepoche stellen die Siebtklässler unter Anleitung eines Schusters selbst Sandalen her. Das Nähen auf der elektrischen Nähmaschine dient als Grundlage für das Schneidern in der 9. Klasse, in der ein persönliches Kleidungsstück gefertigt wird. Es werden das Korbflechten und das Schneidern, das Spinnen sowie Kartonage (Arbeit mit Papier und Karton)  erlernt. Auch einen Buchbindekurs kann man wählen.
Bei der Handarbeit geht es nicht darum, die Grundlage für eine Ausbildung zu legen, sondern den Schülern in der Welt mehr Sicherheit zu geben, indem sie sie praktisch verstehen lernen.

Werken

Der Werkunterricht findet in den Klassenstufen 5 bis 8 wöchentlich mit einer Doppelstunde statt. In den Klassenstufen 9 bis 12 wird Werken in mehrwöchigen Epochen und unterschiedlichen Gewerken unterrichtet. Der Werkunterricht schult die Feinmotorik, die Konzentrationsfähigkeit und die intellektuelle Wachheit. Mit jeder feinen Bewegung formt sich das Gehirn differenzierter; je geschickter die Kinder ihre Finger bewegen, desto lebendiger werden ihre Gedanken. Alles, was die Schüler im Unterricht anfertigen, ist sinnvoll: Es soll brauchbar und zugleich künstlerisch gestaltet sein. Bei der Arbeit im Werken machen die Schüler die Erfahrung, dass sie sich den Bedingungen des Materials (Holz, Ton, Stein, Metall usw.) anpassen müssen. Ihre Freiheit wird nicht durch die Korrektur der Erwachsenen eingeschränkt, sondern durch den jeweiligen Werkstoff, mit dem sie gerade umgehen.
In der 10. Klasse findet eine intensive Schreinerepoche von etwa 10 Wochen statt. Die Schüler stellen ein selbst entworfenes Möbelstück her. Dabei werden viele der traditionellen Holzverbindungen angewandt und alle Arbeitsschritte wie Sägen, Hobeln, Verbinden, Schleifen geübt und vollzogen. Weitere Epochen sind Kupfertreiben, Plastizieren, Steinhauen und Holzbildhauen.

Die Kunst ist ewig, ihre
Formen wandeln sich.

Rudolf Steiner

Musisch-künstlerischer Bereich

Zum ganzheitlichen Lernansatz der Waldorfschulen gehören wesentlich das gemeinsame Musizieren und Rezitieren. Chor- und Orchesterarbeit ist an unserer Schule selbstverständlich. Ebenso wird das Heranführen an die bildenden Künste schon ab der 1. Klasse intensiv gefördert. So ist bei uns die Schulzeit eingerahmt von Musik, sei es hörend oder selbst musizierend. Bei den vielen gemeinsamen Veranstaltungen und Feiern im Jahreslauf, den musikalischen Ausgestaltungen der Klassenspiele oder auch ganzer Musical-Projekte gibt es kaum einen Tag, an dem nicht gesungen oder musiziert wird.

Nachdem künstlerische Übungen in den ersten fünf Schuljahren mit dem Klassenlehrer gemacht werden, beginnt in der 6. Klasse das Malen und Zeichnen als selbständiger Fachunterricht. Im Vordergrund stehen den Altersstufen entsprechend verschiedene Ansätze und Techniken, Raumrichtungen, Stimmungen, der Farbkreis, gegenständliches Zeichnen, Perspektive, Licht und Schatten, Drucktechniken, um nur einige Aspekte zu nennen. Über die Auseinandersetzung im Kunstunterricht mit Beispielen aus der Kunstgeschichte und der Arbeit an verschiedenen Seelenstimmungen bearbeitet die Oberstufe letztlich auch selbst gewählte Themenbereiche wie beispielsweise die Temperamente, Kindheit und Alter, Mann und Frau. Sie führen in intensiven Arbeitsprozessen zu eindrucksvollen Arbeitsergebnissen.

Eurythmie

Bewegung aus den geheimen Gesetzen des Menschen heraus
Eurythmie ist eine Bewegungskunst, die 1912 von Rudolf Steiner zunächst als reine Bühnenkunst ins Leben gerufen wurde. Sie hat ihren Ausgangspunkt in der Anschauung Goethes: Jede Kunst ist die Offenbarung verborgener Naturgesetze. In der Natur vollziehen sich ständig Bewegungen in Form von Wachstums- und Gestaltungsprozessen. Eine Verinnerlichung dieser Gestaltungskräfte findet ihren Ausdruck in Sprache und Gesang. So unterliegen eurythmische Bewegungen nicht einer Willkür oder Konstruktion, sondern den erlebbaren Gesetzmäßigkeiten von Wort und Ton. Geometrische Raumformen bilden eine Art Choreographie, die mit vielfältigen Rhythmen verbunden werden. In der Ausgestaltung eines Gedichtes oder Musikstücks können so der seelische Ausdruck und der Inhalt dargestellt werden. Von der ersten bis zu zwölften Klasse unterrichten wir Eurythmie als künstlerisches Fach. In den ersten vier Jahren bewegen sich die Kinder in nachahmender freudiger Weise im Kreis zu Märchenspielen, kleinen Gedichten und einfachen Musikstücken. Vorstellung von Formen gewinnt mit der zunehmenden Intellektualität der Schüler an Bedeutung. Inhaltlich werden entsprechende Gedichte, Texte und Musikstücke erarbeitet. Die Schüler entwickeln zu selbständigen Persönlichkeiten mit eigenem freien Willen. Sie haben gelernt, sich innerlich aufzurichten und sich zu ergreifen, aber auch in der Gemeinschaft mit anderen den eigenen Bewegungen Ausdruck zu verleihen.

Wo Unfertigkeit bestraft wird, wird Reifung verhindert.

Michael Köditz

Gartenbau

In der Freien Waldorfschule Freiburg St. Georgen hat jeder Schüler von der sechsten bis zur zehnten Klasse Gartenbauunterricht. Für Rudolf Steiner stand dabei im Vordergrund, dass die Kinder durch den praktischen Umgang mit Erde, Pflanzen und Tieren ein reales, persönlich erlebtes Verhältnis zur Natur bekommen. Diesem maß er ein großes Gewicht bei für die weitere Entwicklung des Menschen und seiner Tätigkeit in der sozialen Gemeinschaft. Das ganze Jahr hindurch arbeiten die Schüler wöchentlich im Schulgarten. Sie verrichten alle grundlegenden gärtnerischen Tätigkeiten, wie etwa die sorgfältige Bearbeitung des Bodens, den Anbau und die Ernte von Gemüse und Blumen, die Pflege und Verarbeitung von Kräutern und Obst. Die Tätigkeiten des Pflanzens und Pflegens verlangen Ausdauer und Geduld, bis die Ernte als Lohn der Arbeit winkt. Die Schüler machen die Erfahrung, dass der Mensch zwar pflegen und bewahren kann, aber in starkem Maße auch auf die Kräfte der Natur und des Kosmos angewiesen ist. Sie erfahren, dass sowohl Tätigkeit als auch Betrachtung notwendig sind, um die eigene Arbeit sachgerecht in die Bedürfnisse von Garten, Pflanzen- und Tierwelt eingliedern zu können.

Religion

An der Freien Waldorfschule Freiburg St. Georgen werden vier verschiedene Religionsunterrichte angeboten: katholischer, evangelischer, der Unterricht der Christengemeinschaft und der freie christliche Unterricht. Wir freuen uns, dass wir diese Angebotsvielfalt trotz der Forderung der konfessionellen Kirchen nach einer Kostenbeteiligung von etwa 20% an ihrem Unterricht aufrecht erhalten können.
Dazu haben wir uns auf ein Kostenmodell verständigt, das auf Solidarität und Freiwilligkeit basiert: Wir bitten jede Familie an unserer Schule um einen Beitrag von sieben Euro im Monat, aus denen sich der Religionsfond speist, aus dem wiederum die entsprechenden Zuschüsse an die katholische und evangelische Kirche weitergegeben werden. So setzen auch Eltern, deren Kinder den Unterricht der Christengemeinschaft (die sich allein über ihre Mitglieder finanziert) oder den freien christlichen Religionsunterricht (der über die Schule finanziert wird) ein deutliches Zeichen für den Erhalt der Pluralität an unserer Schule. Sämtliche Religionsunterrichte stehen allen interessierten Schülern offen. Eine Zugehörigkeit durch Taufe wird nicht vorausgesetzt.

Sport

Der starke Drang des Kindes, seine inneren Impulse auch in die physische Räumlichkeit auszudehnen und auszuleben, wird besonders in der Mittelstufe deutlich. Die Schüler lernen im Sportunterricht, sich in die physische Räumlichkeit einzuleben und entwickeln dabei geradezu artistische Fähigkeiten - angefangen beim Umgang mit dem Ball in den verschiedenen Spielen über das Schwimmen, Springen, Turnen und Tauchen bis hin zum Skateboarden und Skifahren. Neben der Freude über das Erreichte fördert der Sportunterricht auch die Gewissheit, dass man als tüchtiger Mensch in der Welt steht. Bei den Spielen stellt der Einzelne sein Können in den Dienst einer sozialen Gemeinschaft. Gemeinsam ein Ziel zu erreichen, aber auch durch andere geschützt zu werden, ist eine bereichernde Erfahrung. Die in der Mittelstufe entwickelten Fähigkeiten werden in der Oberstufe weiter ausgebaut. Den Schwerpunkt bilden hier die Sportarten Volleyball, Basketball, kleine Sportspiele, Geräteturnen, Leichtathletik, Gymnastik und Baseball. Im Winter gibt es einen Ski- und Snowboardtag, im Sommer die Bundesjugendspiele und Beachvolleyball.. Da das Können der Schüler in diesem Alter stark differieren kann, dient der Sportunterricht nicht nur der individuellen Entwicklung, sondern fördert auch die soziale Kompetenz der Gruppe. Der Unterricht ist gelungen, wenn jede/r Bewegung als positiv und angenehm empfindet.

Jahresarbeiten

Während der achten und der zwölften Klasse fertigen die Schülerinnen und Schüler der Freien Waldorfschule Freiburg Sankt Georgen eine Jahresarbeit an. Dazu vertieft sich jede/r über mehrere Monate in eine selbst gewählte Aufgabe. Diese erörtert er/sie theoretisch, praktisch und künstlerisch und präsentiert sie zum Abschluss der Schulgemeinschaft. Lehrerinnen und Lehrer stehen bei dieser selbständigen Erarbeitung bei Bedarf unterstützend zur Seite. Die Jahresarbeit in der zwölften Klasse ist zweifellos ein Höhepunkt der Waldorfschulzeit, ein wirklich herausragendes Erlebnis. Die Arbeit besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Im praktischen Teil könnte z.B. ein Musik- oder Theaterstück, eine Tanzperformance, ein Film konzipiert oder auf andere Art und Weise kreativ gearbeitet werden. Im theoretischen Teil könnte dazu etwa der geschichtliche Hintergrund oder die politische und soziale Bedeutung des Themas erörtert werden. Dabei ist vor allem Durchhaltevermögen gefragt. Schließlich wird das Ergebnis nach einem Jahr abgegeben und in einem Vortrag öffentlich präsentiert. Dabei stellt sich bei der Klasse ein intensives Erleben von Gemeinschaft ein. Wir sind wieder zusammen − in einem höheren Sinn: Nicht, weil wir alle das Gleiche tun, sondern weil wir im gleichen Sinne, jeder aus seiner ureigenen Individualität, heraus arbeiten.